Artenschutz

Der LPV Lindau führt Artenschutzprojekte im Rahmen der Landschaftspflegerichtlinie, sowie in gesonderten Projekten für gefährdete Tier- und Pflanzenarten durch. 

Der Schutz der biologischen Vielfalt ist eine zentrale Aufgabe unserer Arbeit. Unsere Landschaft im Landkreis Lindau (Bodensee) zeichnet sich durch eine außergewöhnlich hohe Artenvielfalt aus – bedingt durch die besondere Lage zwischen Alpen und Bodensee sowie die Vielfalt an Lebensräumen wie Wälder, Moore, Gewässer und extensiv genutzte Kulturlandschaften.

Nach Daten des Bayerisches Landesamt für Umwelt kommen im Landkreis Lindau zahlreiche sogenannte saP-relevante Arten vor, also besonders geschützte Tier- und Pflanzenarten, die bei Planungen berücksichtigt werden müssen. Allein in den erfassten Artengruppen (u. a. Säugetiere, Vögel, Amphibien, Reptilien, Insekten und Gefäßpflanzen) sind mehrere hundert Arten dokumentiert.

Ein bedeutender Teil dieser Arten ist in seinem Bestand gefährdet. Die sogenannten Roten Listen des Landesamt für Umwelt (LfU) zeigen, welche Arten in Bayern vom Aussterben bedroht, stark gefährdet oder gefährdet sind. Bereits heute gelten in Bayern rund 48 % der bewerteten Tier- und Pflanzenarten als gefährdet, bei den Gefäßpflanzen sogar etwa 50 %.

Auch im Landkreis Lindau spiegelt sich diese Entwicklung wider: Ein großer Anteil der nachgewiesenen Arten ist in den Gefährdungskategorien der Roten Liste Bayern eingestuft (z. B. Kategorien 1–3 oder Vorwarnliste). Beispiele hierfür sind seltene Vogelarten wie der Kiebitz oder der Wachtelkönig, streng geschützte Amphibien wie die Gelbbauchunke sowie zahlreiche spezialisierte Pflanzenarten der Moor- und Feuchtlebensräume.

Diese Zahlen verdeutlichen: Die Artenvielfalt ist zwar hoch, aber gleichzeitig stark unter Druck. Hauptursachen sind vor allem der Verlust und die Zerschneidung von Lebensräumen, intensive Landnutzung sowie klimatische Veränderungen.

Unser Beitrag zum Artenschutz

Vor diesem Hintergrund setzen wir uns aktiv für den Erhalt und die Förderung der heimischen Artenvielfalt ein. Unsere Maßnahmen umfassen unter anderem:

  • Erhalt und Entwicklung wertvoller Lebensräume
  • Förderung strukturreicher Landschaften
  • Schutz gefährdeter Arten und ihrer Lebensstätten
  • Begleitung von Projekten im Sinne des gesetzlichen Artenschutzes

Unser Ziel ist es, die biologische Vielfalt im Landkreis langfristig zu sichern und einen Beitrag zur Umsetzung der bayerischen Biodiversitätsstrategie zu leisten.

Beispiele unserer Artenschutzprojekte

Sommerdrehwurz – seltene Orchidee der Feuchtwiesen

Die Sommerdrehwurz (Spiranthes aestivalis) ist eine der seltensten Orchideen Bayerns. Sie wächst in nährstoffarmen Nass-, Streu- und Pfeifengraswiesen, die nur durch extensive Nutzung erhalten bleiben.
Spiranthes aestivalis ist in Bayern als vom Aussterben bedroht (Rote Liste Kategorie 1) eingestuft. Hauptgefährdungen sind Nutzungsaufgabe, Verbrachung und Nährstoffeinträge.
Zum Schutz der Art übernehmen wir die fachgerechte Pflege ihrer Lebensräume. Dazu gehört die Mahd der Feuchtwiesen mit Balkenmäher und viel Handarbeit durch erfahrene Landschaftspfleger. Die Arbeiten erfolgen in enger Abstimmung mit den Naturschutzbehörden und werden durch regelmäßiges Monitoring begleitet.

Sommerdrehwurz

Spirantes aestivalis

 

Die Sommerdrehwurz (Spiranthes aestivalis) ist eine seltene Orchidee nährstoffarmer Nass-, Streu- und Pfeifengraswiesen.

 

Rote Liste Bayern: Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht)

Gefährdung durch Nutzungsaufgabe, Verbrachung und Nährstoffeinträge

Pflege und Mahd extensiver Feuchtwiesen
Einsatz von Balkenmähern und Handarbeit durch erfahrene Landschaftspfleger
Enges Monitoring der Bestände
Zusammenarbeit mit Naturschutzbehörden

Bodenseevergissmeinnicht – eine extreme Rarität am Seeufer

Das Bodenseevergissmeinnicht (Myosotis rehsteineri) ist eine weltweit nur am Bodensee vorkommende Pflanzenart. Es wächst auf kiesigen, zeitweise überfluteten Uferbereichen und ist Teil der seltenen Strandrasengesellschaften mit weiteren spezialisierten Arten wie Strandling und Zwergbinsen.
Myosotis rehsteineri steht in Bayern auf der Roten Liste Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht). Die wenigen verbliebenen Standorte sind stark gefährdet durch Trittbelastung, Treibholz und Freizeitnutzung.
Zum Schutz der Art arbeiten wir eng mit Naturschutz- und Wasserbehörden sowie lokalen Partnern zusammen. Neben Besucherlenkung und Beschilderung führen wir regelmäßig Schutzstreifen („Streife“) durch, bei denen Feuerstellen beseitigt, Müll entfernt und Besucher direkt informiert werden.

Bodenseevergissmeinicht

Myosotis rehsteineri

 

Das Bodenseevergissmeinnicht (Myosotis rehsteineri) ist eine weltweit nur am Bodensee vorkommende Pflanzenart. Es wächst auf kiesigen, zeitweise überfluteten Uferbereichen und ist Teil der seltenen Strandrasengesellschaften mit Arten wie Strandling und Zwergbinsen.

 

Rote Liste Bayern: Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht)

Gefährdung durch Tritt, Treibholz und Freizeitnutzung

Zusammenarbeit mit Naturschutz- und Wasserwirtschaftsbehörden
Besucherlenkung und Beschilderung der Standorte
Regelmäßige „Streife“: Entfernung von Feuerstellen, Müll und Treibholz
Aktive Information der Besucher vor Ort

Bachmuschel

Bachmuschel – sensibler Indikator sauberer Gewässer

Die Bachmuschel (Unio crassus) ist eine stark gefährdete Süßwassermuschel, die nur in klaren, sauerstoffreichen Bächen mit strukturreichem Gewässerbett überlebt. Sie lebt im Sediment eingegraben und filtert dort Nahrungspartikel aus dem Wasser.

Unio crassus steht in Bayern auf der Roten Liste Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht). Hauptgefährdungen sind Gewässerverschmutzung, Strukturverlust, fehlende Durchgängigkeit und der Rückgang ihrer Wirtsfische (z. B. bestimmte Fischarten für die Larvenentwicklung).

Zum Schutz der Bachmuschel setzen wir Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur um, begleiten Renaturierungen und arbeiten eng mit Wasserwirtschaft und Naturschutzbehörden zusammen.

Bachmuschel

Unio crassus

Die Bachmuschel (Unio crassus) lebt in klaren, strukturreichen Bächen mit sauberem, sauerstoffreichem Wasser und eingegraben im Gewässersediment

Rote Liste Bayern: Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht)

Gefährdung durch Gewässerverschmutzung, Strukturverlust und fehlende Durchgängigkeit

Unterstützung von Gewässerrenaturierungen
Verbesserung der Gewässerstruktur
Zusammenarbeit mit Wasserwirtschafts- und Naturschutzbehörden

Lungenenzian – seltene Schönheit feuchter Wiesen im Landkreis Lindau

Der Lungenenzian (Gentiana pneumonanthe) ist eine auffällige, blau blühende Pflanzenart feuchter, nährstoffarmer Wiesen, Moorbereiche und extensiv genutzter Feuchtgrünländer. In Bayern ist er stark gefährdet und auf regelmäßige, extensive Pflege seiner Lebensräume angewiesen.

Gentiana pneumonanthe ist im Landkreis Lindau nur noch selten zu finden. Geeignete Standorte sind stark zurückgegangen und heute meist auf wenige, isolierte Restflächen beschränkt.

Der Lungenenzian hat eine besondere ökologische Bedeutung, da er eine wichtige Raupenfutterpflanze für hoch spezialisierte Schmetterlinge ist, insbesondere:

  • Lungenenzian-Ameisenbläuling (Phengaris alcon)
  • weitere Arten aus der Gruppe der Bläulinge, die an Enzian-Arten gebunden sind

Diese Arten sind auf das komplexe Zusammenspiel zwischen Pflanze, Lebensraum und Ameisen angewiesen und gehören ebenfalls zu den stark gefährdeten Arten Mitteleuropas.

Die Art steht in Bayern auf der Roten Liste Kategorie 2 (stark gefährdet). Hauptgefährdungen sind die Entwässerung von Feuchtflächen, Nutzungsintensivierung und das Zuwachsen ehemals offener Wiesen.

Zum Schutz erhalten wir geeignete Feuchtwiesen durch extensive Pflege und angepasste Mahd und tragen so dazu bei, sowohl den Lungenenzian als auch seine spezialisierten Schmetterlinge zu erhalten.

Lungenenzian

Gentiana pneumonanthe

 

Der Lungenenzian (Gentiana pneumonanthe) wächst in feuchten, nährstoffarmen Wiesen und Moorbereichen. Im Landkreis Lindau ist er nur noch selten zu finden

Er ist zudem eine wichtige Raupenfutterpflanze für spezialisierte Schmetterlinge, insbesondere den Lungenenzian-Ameisenbläuling

 

Rote Liste Bayern: Kategorie 2 (stark gefährdet)

Rückgang durch Entwässerung, Intensivierung und Lebensraumverlust

Erhalt und Pflege extensiver Feuchtwiesen
Förderung offener, nährstoffarmer Standorte

Gelbbauchunke

Die Gelbbauchunke (Bombina variegata) ist eine kleine, auffällig gefärbte Amphibie mit gelb-schwarz gemustertem Bauch. Im Landkreis Lindau gehört sie heute zu den seltenen Arten, die auf sehr spezielle Lebensräume angewiesen sind. In den letzten Jahren werden nur noch vereinzelt Vorkommen nachgewiesen. Sie steht auf der Rote Liste Bayern in der Kategorie 2 (stark gefährdet).

Die Gelbbauchunke benötigt dynamische, offene Landschaften mit flachen, temporären Kleingewässern. Dazu zählen beispielsweise Fahrspuren, wassergefüllte Senken oder kleine Pfützen, die nur zeitweise Wasser führen. Entscheidend ist, dass diese Strukturen regelmäßig neu entstehen und sich wieder verändern können, da die Art dauerhaft wasserführende, fischreiche Gewässer meidet.

Im Landkreis Lindau sind solche Bedingungen nur noch an wenigen Stellen vorhanden. Deshalb sichern und entwickeln wir gezielt geeignete Offenlandbereiche, in denen sich temporäre Kleingewässer bilden und erhalten können. So schaffen wir wichtige Rückzugsräume für diese hoch spezialisierte Amphibienart.

Die Gelbbauchunke profitiert dabei besonders von einer angepassten Flächenpflege und einer gewissen „Dynamik“ im Gelände. Durch enge Abstimmung mit den Naturschutzbehörden und die gezielte Entwicklung geeigneter Strukturen tragen wir dazu bei, die verbliebenen Lebensräume zu stabilisieren und neue Habitatmöglichkeiten zu schaffen.

Gelbbauchunke

Bombina variegata

 

Die Gelbbauchunke (Bombina variegata) ist eine kleine, auffällig gefärbte Amphibie mit gelb-schwarz gemustertem Bauch. Sie ist eine typische Pionierart dynamischer Lebensräume und benötigt flache, sonnige und oft nur temporär wasserführende Kleingewässer zur Fortpflanzung.

Die Gelbbauchunke nutzt dabei ganz unterschiedliche, kurzlebige Gewässertypen wie Fahrspuren, Pfützen, wassergefüllte Senken oder Rohbodenflächen. Diese Lebensräume entstehen natürlicherweise durch Überschwemmungen oder Wildwechsel, heute aber häufig nur noch in gestörten oder gepflegten Offenlandbereichen

 

Rote Liste Bayern: Kategorie 2 (stark gefährdet)

Rückgang durch Verlust dynamischer Kleingewässer

Verfüllung und Befestigung von Fahrspuren und Senken

Zunehmende Verbuschung und fehlende Offenlanddynamik

Erhalt und gezielte Förderung offener, wasserführender Kleingewässerstrukturen
Unterstützung von Maßnahmen zur Schaffung temporärer Gewässer (z. B. Fahrspuren, Mulden)
Zusammenarbeit mit Naturschutzbehörden zur Sicherung geeigneter Lebensräume
Monitoring bekannter Vorkommen und Anpassung der Flächenpflege

Kiebitz – seltener Wiesenbrüter im Landkreis Lindau

Der Kiebitz (Vanellus vanellus) ist ein charakteristischer Bodenbrüter offener Wiesenlandschaften. Im Landkreis Lindau gibt es heute nur noch sehr wenige Wiesenbrüter insgesamt. In den letzten Jahren konnten jedoch vereinzelt Brutversuche des Kiebitz festgestellt werden.

Vanellus vanellus benötigt großflächige, offene Landschaften mit feuchten Wiesen und möglichst wenigen Ansitzmöglichkeiten für Fressfeinde. Besonders wichtig sind störungsarme Bereiche mit weiter Sicht, damit die Altvögel potenzielle Feinde früh erkennen können.

An geeigneten Standorten sichern und entwickeln wir gezielt offene Grünlandflächen, um den Lebensraum für den Kiebitz zu verbessern. Auffällig ist, dass bisherige Brutversuche ausschließlich auf von uns gepflegten Flächen beobachtet wurden.

Die Bewirtschaftung erfolgt dabei besonders extensiv:
Die Flächen werden nur einmal jährlich im Herbst gemäht, um Bruten nicht zu beeinträchtigen und den Lebensraum möglichst lange offen zu halten.

Durch diese angepasste Pflege schaffen wir wichtige Rückzugsräume für eine Art, die in unserer Kulturlandschaft zunehmend selten geworden ist.

Kiebitz

Vanellus vabellus

 

Der Kiebitz (Vanellus vanellus) ist ein Bodenbrüter offener, feuchter Wiesenlandschaften. Im Landkreis Lindau gibt es nur noch wenige Wiesenbrüter insgesamt; vereinzelte Brutversuche wurden in den letzten Jahren beobachtet.

Er benötigt großflächige, offene Landschaften mit wenig Ansitzmöglichkeiten für Fressfeinde.

Rote Liste Bayern: Kategorie 2 (stark gefährdet)

Rückgang durch Lebensraumverlust, frühe Mahd und Prädation

Sicherung und Entwicklung offener Grünlandflächen
Brutversuche ausschließlich auf gepflegten Flächen festgestellt
Extensive Bewirtschaftung: einmalige Mahd im Herbst
Anpassung der Pflege an Brutzeiten